Warum liebe ich den Protestantismus?

„Ich glaube, es ist wegen der Freiheit; der Freiheit vor Gott im Glauben, der Freiheit der Religion vor dem Staat und der Freiheit des Gewissens vor der Kirche Jürgen Moltmann.

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„Kim der Pädagogik!“

Sie kann es nicht lassen! Nachdem der ehrenwerte Große Senat Berlins in heldenhafter Weise dafür gesorgt hat, dass Kruzifix und Kreuz, Kippa und Kopftuch aus der Öffentlichkeit verschwinden (naja, noch nicht ganz, aber ein Anfang ist gemacht), trägt die inkriminierte Lehrerin aus dem roten Wedding (rot: liturgische Farbe des Märtyrergedenkens – wie geschmacklos kann man sein!) nun einen Fisch um den Hals. Eine offene Provokation des Großen Senat! Und der Stadt Berlin!

Der Hintergrund: Ein Fisch kann (muss nicht, aber kann) an das feindliche Christentum erinnern, das in den letzten Jahrtausenden so viel Elend über die Stadt Berlin gebracht hat und dessen Symbole „Ängste vor religiöser Bevormundung“ schüren (so die wegen ihrer vorbildlichen Neutralität immer lesenswerte „Berliner Zeitung“). Besonders dann, wenn in dem Fisch auch noch „Jesus“ steht (war nicht so, hätte aber so sein können – der Frau ist alles zuzutrauen!).

In Fachkreisen wird sie längst die „Kim der Pädagogik“ genannt, in Anspielung auf den nordkoreanischen Präsidenten. Doch während seine Provokationen eher harmlos sind, verletzt die „Lehrerin“ das Menschenrecht von Millionen Berlinern und droht die Stadt, deren Freiheit und Wohlstand und Baukultur vom Großen Senat so heldenha… (das hatten wir jetzt schon, oder?). Also, jedenfalls wird es Zeit, dass in Berlin endlich Neutralität gewahrt wird (Kabeljau? – Rübe ab!).

Und im übrigen ist es vollkommen egal, dass das Berliner Neutralitätsgesetz grundgesetzwidrig ist. Das ist ja nur konsequent. Der Große Senat Berlins steht eben allem neutral gegenüber, auch der Verfassung. Heldenhaft halt.  (Josef Bordat)
https://jobo72.wordpress.com/2017/05/17/kim-der-paedagogik

Wenn es an einer Kreuzung immer wieder Unfälle gibt, dann brauchen wir nicht noch mehr Krankenwagen

„Wenn es an einer Kreuzung immer wieder Unfälle gibt, dann brauchen wir nicht noch mehr Krankenwagen, sondern wir sollten eine Ampel installieren, die weitere Unfälle vermeidet. Es ist immer gut, den Hungrigen zu essen zu geben; es ist allerdings noch besser, wenn wir die Ursachen von Hunger beseitigen können. Wenn wir also unsere Nächsten tatsächlich lieben und ihnen dienen wollen, dann kann es passieren, dass unser Dienst fordert, uns politisch für sie einzusetzen.“
John Stott

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?
Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!
Dietrich Bonhoeffer

Der Segen meines Grossvaters

»Wenn ich an den Freitagnachmittagen nach der Schule zu meinem Großvater zu Besuch kam, dann war in der Küche seines Hauses bereits der Tisch zum Teetrinken gedeckt. Mein Großvater hatte seine eigene Art, Tee zu servieren. Es gab bei ihm keine Teetassen, Untertassen oder Schalen mit Zuckerstücken oder Honig. Er füllte Teegläser aus einem silbernen Samowar. Man musste zuerst einen Teelöffel in das Glas stellen, denn sonst hätte das dünne Glas zerspringen können. Mein Großvater trank seinen Tee auch nicht so, wie es die Eltern meiner Freunde taten. Er nahm immer ein Stück Zucker zwischen die Zähne und trank dann den ungesüßten heißen Tee aus dem Glas. Und ich machte es wie er. Diese Art, Tee zu trinken, gefiel mir viel besser als die Art, auf die ich meinen Tee zu Hause trinken musste.
Wenn wir unseren Tee ausgetrunken hatten, stellte mein Großvater stets zwei Kerzen auf den Tisch und zündete sie an. Dann wechselte er auf Hebräisch einige Worte mit Gott. Manchmal sprach er diese Worte laut aus, aber meist schloss er einfach die Augen und schwieg. Dann wusste ich, dass er in seinem Herzen mit Gott sprach. Ich saß da und wartete geduldig, denn ich wusste, jetzt würde gleich der beste Teil der Woche kommen. Wenn Großvater damit fertig war, mit Gott zu sprechen, dann wandte er sich mir zu und sagte: „Komm her, Neshumele.“ Ich baute mich dann vor ihm auf, und er legte mir sanft die Hände auf den Scheitel.
Dann begann er stets, Gott dafür zu danken, dass es mich gab und dass Er ihn zum Großvater gemacht hatte. Er sprach dann immer irgendwelche Dinge an, mit denen ich mich im Verlauf der Woche herumgeschlagen hatte, und erzählte Gott etwas Echtes über mich. Jede Woche wartete ich bereits darauf, zu erfahren, was es diesmal sein würde. Wenn ich während der Woche irgendetwas angestellt hatte, dann lobte er meine Ehrlichkeit, darüber die Wahrheit gesagt zu haben. Wenn mir etwas misslungen war, dann brachte er seine Anerkennung darüber zum Ausdruck, wie sehr ich mich bemüht hatte. Wenn ich auch nur kurze Zeit ohne das Licht meiner Nachttischlampe geschlafen hatte, dann pries er meine Tapferkeit, im Dunkeln zu schlafen.
Und dann gab er mir seinen Segen und bat die Frauen aus ferner Vergangenheit, die ich aus seinen Geschichten kannte – Sara, Rahel, Rebekka und Lea -, auf mich aufzupassen. Diese kurzen Momente waren in meiner Woche die einzige Zeit, in der ich mich völlig sicher und in Frieden fühlte. In meiner Familie von Ärzten und Krankenschwestern rang man unablässig darum, noch mehr zu lernen und noch mehr zu sein. Da gab es offenbar noch immer etwas mehr, das man wissen musste. Es war nie genug. Wen ich nach einer Klassenarbeit mit einem Ergebnis von 98 von 100 nach Hause kam, dann fragte mein Vater: „Und was ist mit den restlichen zwei Punkten?“ Während meiner gesamten Kindheit rannte ich unablässig diesen zwei Punkten hinterher.
Aber mein Großvater scherte sich nicht um solche Dinge. Für ihn war mein Dasein allein schon genug. Und wenn ich bei ihm war, dann wusste ich irgendwie mit absoluter Sicherheit, dass er recht hatte. Mein Großvater starb, als ich sieben Jahre alt war. Ich hatte bis dahin nie in einer Welt gelebt, in der es ihn nicht gab, und es war schwer für mich, ohne ihn zu leben. Er hatte mich auf eine Weise angesehen, wie es sonst niemand tat, und er hatte mich bei einem ganz besonderen Namen genannt – „Neshumele“, was „geliebte kleine Seele“ bedeutet. Jetzt war niemand mehr da, der mich so nannte.
Zuerst hatte ich Angst, dass ich, wenn er mich nicht mehr sehen und Gott erzählen würde, wer ich war, einfach verschwinden würde. Aber mit der Zeit begann ich zu begreifen, dass ich auf irgendeine geheimnisvolle Weise gelernt hatte, mich durch seine Augen zu sehen. Und dass einmal gesegnet worden zu sein heißt, für immer gesegnet zu sein.« Rachel Naomi Remen
Eine kurze Geschichte aus dem Leben, voller Mitgefühl und Tiefe (aus: Rachel Naomi Remen, Aus Liebe zum Leben, 2002, S. 30-31).

Schon bald ist das Leben vorbei

Vor wenigen Tagen starb Emma Morano aus Pallanza am Lago Maggiore. Ich kannte sie nicht, weshalb sich meine Trauer in Grenzen hält. Und überhaupt hatte sie nicht viele Freude, zumindest nicht mehr. Bekannt geworden ist sie in erster Linie aufgrund ihres Alters. Für rund ein Jahr war die 1899 geborene Italienerin der älteste lebende Mensch der Welt. Ein besonderes Rezept fürs Älterwerden kannte sie nicht. Weder aß sie nur vegetarisch noch betrieb sie außerordentlich viel Sport. Ihr Leben war eher hart und von schmerzhaften Einschnitten gekennzeichnet. Ihr erstes Kind starb schon nach wenigen Monaten. Ihr Mann schlug sie regelmäßig, ehe sie sich von ihm trennte. Sie wuchs auf in einer Zeit der Monarchien, lange vor dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, der ersten Mondlandung und der Erfindung des Computers. Nun ist sie tot.

Sterben muss jeder! Das gehört bekanntlich zu den Dingen, die absolut sicher sind. Allerdings sind die wenigsten Menschen wirklich auf ihr Ende vorbereitet. Die meisten versuchen jeden Gedanken an ihre eigene Sterblichkeit möglichst effektiv zu verdrängen. Sie denken an Personen, die noch viel älter sind als sie. Sie machen detaillierte Pläne für die weitere Zukunft, als ob das auch deren Umsetzung garantieren würde. Mit jedem Jahr ernähren sich gesünder und verwenden immer mehr Stunden ihres Lebens auf Sport und Arztbesuche. Sie vermeiden Berührungen mit dem Thema Tod und mit leidenden, sterbenden Menschen. – Verdrängung oder Flucht sind in Hinsicht auf den Tod aber keine wirklich weiterführenden Reaktionen.

Tatsächlich ist der Tod kein punktuelles Ereignis, sondern ein Prozess. Für manche beginnt das Jahre vor dem eigentlichen Ende. Andere sind zwar lange körperlich fit, geistig aber lange schon nicht mehr von dieser Welt. In gewisser Weise beginnt der Tod bereits mit der Geburt, spätestens jedoch mit der deutlichen Verlangsamung der biologischen Erneuerungsprozesse ab dem 20.Lebensjahr. Wenn dann irgendwann das Herz stehenbleibt, dauert es noch Stunden ehe der ganze Körper wirklich tot ist.

Der Tod ist unheimlich, weil er einen einzigartigen Einschnitt bildet und unumkehrbar ist. Auch der Trost antiker Philosophen, dass man vom Tod keine Angst haben müsse, weil man ja nicht mehr da sei, wenn von einem Besitz ergreife, kann nicht wirklich trösten. – Sterben ist schwierig, zweifellos. Meistens ist es mit Schmerzen, Verlust und Ungewissheit verbunden. Vieles für das man gelebt und gekämpft hat wird spätestens jetzt weitgehend bedeutungslos. Dazu kommt häufig die Ungewissheit ob und wenn ja, wie es nach dem Tod weitergeht.

Christen wissen, dass mit dem Tod nicht alles zuende ist, sondern dass sie schlussendlich die Ewigkeit bei Gott verbringen werden. Das ist eine durchaus schöne Perspektive. Für Christen ist der Tod keine Strafe, sondern eigentlich der Übergang in eine bessere Welt, ohne Alter, Krankheit, Egoismus, Betrug, Gier und Leid. – Wer bisher dem Tod nur auszuweichen versuchte, sollte sich Zeit nehmen, ernsthaft über Leben und Tod nachzudenken, sowie sich den biblischen Informationen über eine nachirdischen Existenz und ein göttliches Gericht zu stellen.

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90, 12)