Über Glauben reden

Ein Pfarrer, der bekannt war für seinen Intellekt und der seinen theologischen Doktortitel nicht versteckte, hatte einen Bekannten, der mit dem christlichen Glauben nicht viel anfangen konnte. Der Pfarrer wollte diesen Mann unbedingt für den Glauben gewinnen. So hat er seinen Freund immer mal wieder zu seinen Predigten eingeladen. Natürlich hat der gebildete Pfarrer sich dabei keine Blösse gegeben und viele theologische Probleme und Problemchen erörtert, Begriffe definiert, Aussagen kritisch gewürdigt und differenziert verschiedene Perspektiven aufgezeigt. Nach einer dieser strahlenden Predigten kam der Mann auf den Pfarrer zu und sagte: „Ich bin nun überzeugter Christ.“ Von da an besuchte er regelmässig die Gottesdienste und wurde aktives Mitglied der Kirche.

Der hochgebildete Pfarrer war voller Freude und fragte seinen Freund eines Tages:

„Und? Welche meiner Predigten hat deine Zweifel an Gott zum Schwinden gebracht?“

„Deine Predigten?“ fragte der Andere verwundert. „Es war keine deiner Predigten. Was mich umdenken liess war ein Erlebnis nach einem deiner Gottesdienste. Eine ältere, ärmlich gekleidete Frau stolperte auf der Treppe zur Kirchentür. Ich hielt sie an ihrem Arm um ihr zu helfen. Sie bedankte sich und sagte dann:

‘Liebst du Jesus Christus, meinen geliebten Retter? Er bedeutet mir alles.’

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich dazu nicht ja sagen. Gleichzeitig merkte ich, dass ich meinen Lebensweg ändern muss. Ich habe an den Glauben noch manche intellektuelle Anfrage. Aber jetzt bedeutet mir Jesus Christus auch alles, genau wie dieser alten Frau.“

(Encyclopedia of 7’700 Illustraitons / Leslie D. Weatherhead)

Von Augustinus beten lernen

  1. Wer beten will, muss zunächst einmal eine bestimmte Art Mensch werden: „Solange uns nicht wenigstens bewusst wird, wie schief unser Herz liegt und wie sehr dies unser ganzes Leben prägt, werden unsere Gebete ein Teil unseres Problems sein und nicht seine Lösung.“ (96)

  2. Bete um Glückseligkeit, wie Ps 27,4 es zeigt: Eines bitte ich vom HERRN, das hätte ich gerne: daß ich im Hause des HERRN bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten.“
    Worum geht es hier? „‚Gott also lieben wir um seiner selbst willen, uns und den Nächsten aber um seinetwillen.‘ Was, wie er [Augustinus] hinzufügt, nicht bedeutet, dass wir um nichts anderes beten sollten als darum, Gott zu erkennen, zu lieben und zu gefallen. (…) Doch wenn wir Gott über alles andere liebeb und es unser höchstes Glück ist, ihn zu kennen und ihm zu gefallen, verändert das die ARt, wie wir um ein glückliches Leben beten.“ (97)

  3. Das Vaterunser als Gebetsschule nehmen, das mir zeigt, wie ich konkret beten lernen kann.

  4. Bitte ehrlich, aber ergib dich auch dem Willen des Vaters – gerade in dunklen Zeiten

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016.

Dogmatische Korrektheit reicht nicht

„Wir müssen uns unsere Glaubensüberzeugungen nicht nur intellektuell, sondern auch existenziell zu Eigen machen; sie müssen in unserem Alltag praktisch werden. Dogmatische Korrektheit, die wir nicht auch im Herzen erfahren, führt zum Namenschristentum und letztlich in den Unglauben. Traurig aber wahr: Ausgerechnet viele konservative, um die rechte, gesunde Lehre bemühte Christen vernachlässigen das Gebet und bemühen sich nicht darum, Gott in ihrem Herzen zu erfahren; am Ende ist es dann manchmal auch um die gesunde Lehre geschehen.“

Timothy Keller, Beten: Dem heiligen Gott nahekommen, Gießen: Brunnen, 2016, S. 197f.

Chauffeur-Wissen…

Im Jahr 1918 wurde dem deutschen Physiker Max Planck der Physik-Nobelpreis verliehen. Daraufhin begab er sich auf Tournee durch ganz Deutschland, um seine Erkenntnisse bekannt zu machen.

Wo auch immer er eingeladen wurde, hielt er denselben Vortrag zur neuen Quantenmechanik. Wochenlang war er mit seinem Fahrer unterwegs durch Deutschland. Mit der Zeit kannte der Chauffeur den Vortrag auswendig.

Als die Tournee zu ihrem Ende kam, machte der Chauffeur Max Planck einen ganz besonderen Vorschlag: „Es muss Ihnen langweilig sein, Herr Professor Planck, ständig denselben Vortrag zu halten. Ich schlage vor, dass ich den Vortrag in München bestreite, und Sie sitzen in der vordersten Reihe und tragen meine Chauffeur-Mütze. Das gäbe uns beiden ein bisschen Abwechslung.“

Max Planck lächelte, gab sein Einverständnis, und so hielt der Chauffeur den langen Vortrag zur Quantenmechanik vor dem hochkarätigen Publikum in München. Als er schon eine ganze Weile gesprochen hatte, meldete sich plötzlich ein Physikprofessor aus dem Publikum mit einer Frage.

Der Chauffeur hörte sich geduldig die komplizierte Fachfrage an und antwortete dann trocken: „Nie hätte ich gedacht, dass in einer so fortschrittlichen Stadt wie München eine so einfache Frage gestellt würde. Die möchte ich von meinem Chauffeur beantworten lassen.“

In Zeiten des Internets ist unsere Welt voll von Chauffeur-Wissen. Dinge, die man irgendwo aufgeschnappt hat, mal eben kurz gegoogelt hat oder in einem Zeitungsartikel liest. Chauffeur-Wissen ist nichts, was man selbst erlebt hat, selbst erarbeitet hat, wo keine eigene Erfahrungen drin stecken.

Das Gesamtwissen auf unserem Planeten verdoppelt sich alle 2 Jahre. Da ist es natürlich klar, dass wir kaum noch hinterher kommen, all das Wissen aufzunehmen. Daher leben wir häufig von Chauffeur-Wissen.

In der Weihnachtszeit wird dies für mich immer wieder besonders deutlich. Mich schmerzt, wie viele Menschen Chauffeur-Wissen hervorholen müssen, um die Bedeutung von Weihnachten zu erklären…

(Quelle: Auftanken.de)

Herr, setze dem Überfluss Grenzen und lasse die Grenzen überflüssig werden.

Herr, setze dem Überfluss Grenzen und lasse die Grenzen überflüssig werden.

Lasse die Leute kein falsches Geld machen und auch das Geld keine falschen Leute.

Nimm den Ehefrauen das letzte Wort und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.

Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde.

Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.

(Bessere solche, die im öffentlichen Leben wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.

Lehre uns die Einsicht, wer reich im Portemonnaie ist, ist nicht immer reich auch im Herzen.)

Gib den Regierenden ein besseres Deutsch und den Deutschen eine bessere Regierung.

(Lass uns sagen, was wir denken und lass uns tun, was wir sagen. Also lass uns das auch sein, was wir sagen und tun.)

Herr sorge dafür, daß wir alle in den Himmel kommen, aber nicht sofort.

 

Wünsche zum Jahr 1883 des Pfarrers von St. Lamberti in Münster

„Ein Spezialtelefon“, sagt der Papst. „Damit kann ich Gott anrufen.“

„Ein Spezialtelefon“, sagt der Papst. „Damit kann ich Gott anrufen.“ –

„Was?“

Ein Rabbi besucht den Papst. Auf dem Sekretär steht ein grünes Telefon.

„Was ist das denn“, fragt der Rabbi.
„Ein Spezialtelefon“, sagt der Papst. „Damit kann ich Gott anrufen.“ –
„Was?“
„Ja, probier’s. Nur die Null wählen und die Direktleitung steht.“
Der Rabbi wählt die Null und unterhält sich kurz darauf hoch amüsiert mit dem lieben Gott. Auf Hebräisch, versteht sich. Nach 20 Minuten legt er auf.
„Tolle Sache! Papst, was kriegst du von mir?“
„Tja“, sagt der Papst und guckt auf seinen Zähler. „20.000,- €.“
„Ne stolze Summe“ bekommt er zur Antwort. „Aber Hauptsache, man hat mal gesprochen.“
Vier Wochen später besucht der Papst den Rabbi zu Hause. Da sieht er im Flur ein grünes Telefon.
„Was ist denn das?“ fragt der Papst.
„Ich hab jetzt auch ne Leitung“ sagt der Rabbi. „Willst du’s mal versuchen? Nur die Null wählen“
Der Papst wählt und tatsächlich: Gott geht an den Apparat. Ein kleiner Plausch schließt sich an, natürlich über ernsthafte Lehrfragen; klingt nach Latein. Nach 20 Minuten legt der Papst auf.
„Superempfang! Was bin ich dir schuldig?“
„Einen Euro“, sagt der Rabbi. „War ein Ortsgespräch“.
So nah ist uns Gott. – Das ist Weihnachten.
(Nach J.Becker, Religion ist, wenn man trotzdem stirbt, 146f).

Zwei Brüder

Zwei Brüder starben am selben Tag. Der eine war zeitlebens ein Religionskritiker gewesen. Seine Überzeugung beruhte auf dem, was er sehen und hören konnte. Die naiven Gläubigen belächelte er nur. Keiner konnte seinen messerscharfen Argumenten das Wasser reichen, und nie hatte jemand ihn vom Sinn des Glaubens überzeugen können.
Der andere war schon im Kindesalter zum Glauben gekommen. Von der Wissenschaft und Philosophie hielt er nicht viel, sah er doch, wohin das seinen Bruder gebracht hatte. Er hielt den einfachen Glauben hoch und erklärte jeden Zweifel und allzu kritisches Denken für sündig. Nie hätte ihn jemand dazu bringen können, seinen Glauben abzulegen.
So standen sie nun miteinander vor der Pforte. Doch diese Pforte war entsetzlich klein und verjüngte sich zusehends, bis an ihrem Ende nur eine winzige Öffnung blieb — wie ein Nadelöhr.
“Wie sollen wir nun weitergehen?“, fragte der Ungläubige.
Ein Engel trat zu ihnen und lächelte freundlich.
„Dies ist das Nadelöhr des Glaubens“, sagte er. „Streife all dein Denken ab und glaube nur — so wirst Du hindurch passen.“
Nach langem Ringen überwand der Ungläubige sich, setzte all sein Vertrauen auf Gottes Gnade und sprach: “So sei es nun denn!“, und er schlüpfte, seines Zweifels ledig, durch die enge Pforte.
Der andere Bruder, der neben ihm gewartet hatte, wollte soeben hinter ihm hergehen, als er bemerkte, dass er nicht durch die Pforte gehen konnte.
Verwirrt fragte er den Engel: „Warum kann ich nicht durch das Nadelöhr des Glaubens? Ich vertraue auf Gott von ganzem Herzen und habe all mein Denken und meine Zweifel abgelegt!“
“Dies ist nicht das Nadelöhr des Glaubens, liebes Kind“, sprach der Engel.
“Für dich ist es das Nadelöhr des Denkens.“

Eine Gemeinde, die sich nicht auf die Seite der Armen stellt, Ungerechtigkeit anprangert und Gerechtigkeit öffentlich vertritt, hat keine Existenzberechtigung.

Gemeinden sind nicht dazu geschaffen, dass redegewandte Männer sich am Sonntag erheben, Vorträge halten und ihr täglich Brot von ihren Bewunderern verdienen. Es geht um etwas ganz anderes. Stätten der Anbetung werden nicht gebaut, damit du dich bequem hinsetzen und dir etwas anhören kannst, das den Sonntag verschönt. Eine Gemeinde, die nicht wohltut in den Wohnhöhlen und Elendsvierteln der Städte, ist eine Gemeinde ohne jede Daseinsberechtigung. Eine Gemeinde, die nicht dem Heidentum entgegentritt, das Böse bekämpft, Irrlehren überwindet, Lüge ans Licht bringt; eine Gemeinde, die sich nicht auf die Seite der Armen stellt, Ungerechtigkeit anprangert und Gerechtigkeit öffentlich vertritt, hat keine Existenzberechtigung. Nicht für dich selber, liebe Gemeinde, bist du da, so wenig, wie Christus für sich selber da war. Sein Ruhm war es, dass er auf Ansehen und Würde verzichtete, und die Gemeinde wird ebenfalls ihren Ruhm darin finden, daß sie darauf verzichtet und es sich als eine Ehre anrechnet, die Ausgestoßenen zu sammeln und inmitten von Schmutz und Schlamm nach den kostbaren Perlen zu suchen, für die Jesus sein Blut vergoss. Seelen von der Hölle zu erretten und zu Gott zu führen -zur Hoffnung, zum Himmel -das ist ihr himmlischer Beruf. Dass sich die Gemeinden dessen immer bewusst wären! Lasst ihr die Bischöfe und die Prediger, lasst sie ihre Bischöfe und Prediger unterstützen und lasst um Christi willen alles ordentlich und anständig zugehen, aber sorgt dafür, dass das Entscheidende geschieht: die Bekehrung der Haltlosen, Unterrichtung der Unwissenden, Hilfe für die Armen, Aufrechterhaltung des Rechts, Überwindung des Unrechts und Abwehr aller Gefahren für Königtum und Krone unseres Herrn Jesus Christus.

Charles Haddon Spurgeon